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Innenministerium NRW und die Landeszentrale für politische Bildung - 27.06.07

Jugendliche von brauner Propaganda umgarnt - Wolf: Rechtsextremisten enttarnen und dem Hass die Stirn bieten
Gemeinsam mit jugendschutz.net und der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen macht das Innenministerium in Nordrhein-Westfalen mobil gegen Rechtsextremismus. In dem bundesweit einzigartigen Buchprojekt "Erlebniswelt Rechtsextremismus. Menschenverachtung mit Unterhaltungswert" erläutern die Kooperationspartner Hintergründe und Methoden rechtsextremistischer Propaganda und geben praktische Hinweise zur Prävention. "Jugendliche sind Zielgruppe Nummer eins der rechten Szene und sollen mit einer rechtsextremistischen Erlebniswelt umgarnt werden", erklärte Innenminister Dr. Ingo Wolf heute in Düsseldorf. Websites, Musik, Bekleidung, Konzerte und Demonstrationen: In dieser Unterhaltungswelt des Rechtsextremismus verschmelzen Freizeitaktivitäten mit menschenverachtenden Botschaften. "Hinter vermeintlich unverdächtigen Sprüchen verstecken sich Demokratiefeindlichkeit und Ausländerhass. Die Botschaften von Kameradschaft und Zusammenhalt in risikoreichen Zeiten vermitteln nur eine scheinbare Geborgenheit", sagte der Innenminister.

Der rechtsextremistische Inhalt von Websites, Liedern und Texten ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. "Gerade seriös verpackte Propaganda ist problematisch, denn sie kann an diffuse Vorurteile gegen Ausländer oder andere Minderheiten anknüpfen. Solche Einstellungen sind auch bei Erwachsenen und Jugendlichen zu finden, die nicht zum organisierten Rechtsextremismus gehören", erläuterte Wolf. Die neue Publikation belegt, dass auch in einer Stadt ohne nennenswerte rechtsextremistische Szene bei vielen Jugendlichen fremdenfeindliche Einstellungen zu finden sind. Wie aber erkennen Jugendliche, womit sie es zu tun haben? Wer ist besonders anfällig für solche Propaganda? Wie vermittelt man den Jugendlichen das Rüstzeug, um sich mit Erfolg zu wehren?

Mit dem neuen Band "Erlebniswelt Rechtsextremismus" geht der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung und der Organisation jugendschutz.net den Strategien nach, die hinter dieser Erlebniswelt stehen. Der Band und die begleitende CD-ROM analysieren vor allem Musik und Websites der Szene. Zugleich stellen sie Methoden und pädagogische Ansätze vor, mit denen in der Jugendbildungsarbeit der kritische Blick auf den Rechtsextremismus geschärft wird. 15 konkrete Projekte aus der schulischen und außerschulischen Praxis liefern Anregungen und machen Mut, eigene Ideen umzusetzen.

"Jugendliche müssen rechtsextremistische Propaganda als das entlarven, was sie ist: menschenverachtend und demokratiefeindlich", betonte der Innenminister. "Nur informierte Jugendliche entwickeln die nötige Zivilcourage, um dem Hass die Stirn zu bieten." Harmlos erscheinende Freizeitangebote können sich bei genauerem Hinsehen als Einstiegsangebot in eine rechtsextremistische Gruppierung entpuppen: "Geh mit uns auf Reisen" fordern Rechtsextremisten Jugendliche im Internet auf. Je enger die Anbindung an die Szene wird, desto mehr werden ideologische Prämissen zur Überzeugung. Gemeinsame Kleidung symbolisiert das Bekenntnis zu einem gemeinsamen Lebensstil, sie ist Teil eines Ehrenkodex. Auf ähnliche Weise schweißen Symbole und Codes die Szene zusammen. Der Bezug auf mythisch überhöhte Kollektive wie "Volk" oder "Rasse" soll ein vordergründiges Gefühl der Zugehörigkeit schaffen, das Minderheiten (Ausländer, Homosexuelle, Obdachlose, Schwächere) ausgrenzt oder als "Feinde" einstuft. Gleichberechtigung kommt in ihrem Vokabular nicht vor. Menschenverachtende Ideen wie das Recht des Stärkeren oder das Führerideal müssen als Ausgleich für eigene Handlungsunsicherheiten herhalten. Jugendliche sind auf der Suche nach Halt, Sicherheit und Anerkennung. "Wenn Jugendliche nicht von Anfang an eine breite Ablehnung rechtsextremistischer Parolen erfahren, sondern scheinbar verständnisvolles Schweigen bis hin zu offener Zustimmung, so verstärkt dies die Gefahr eines Hineingleitens in die rechtsextremistische Jugendszene", erklärte Wolf.

Der Band "Erlebniswelt Rechtsextremismus" erscheint im Wochenschau-Verlag (ISBN 978-3-89974359-3) und kann aus dem kostenpflichtigen Printmedienangebot der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen, Horionplatz 1, 40213 Düsseldorf, telefonisch (Tel.: 0211-8618-4618) oder im Internet (www.politische-bildung.nrw.de) bestellt werden.

Hinweis:
Die Broschüre finden Sie unter www.im.nrw.de/verfassungsschutz





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